Wahlstory CPositionieren und Heben⏱ 30 hSprint 6 und 7

An Terminal 3 docken Fluggastbrücken an die Flugzeuge an. Eine Brücke an Flugsteig J bekommt neue Antriebe. Sie muss heben, fahren und ihre Kabine drehen, auf den Zentimeter vor der Flugzeugtür halten und der Tür folgen, wenn das Flugzeug beim Beladen einfedert.

Schritt 2 von 4. Du liest die Wahlstory ganz, klärt im Team die Anforderungen mit dem Auftraggeber und schreibt das Lastenheft. Dann legt ihr aus, entscheidet und bereitet die Messe vor.

Danach: Die Technikmesse

Der wichtigste Satz auf dieser Seite: Die Brücke darf das Flugzeug nie berühren, und die Fahrgäste dürfen keine Stufe spüren. Beides schafft nur ein geregelter Antrieb.

Der Auftrag in einem Satz

Legt Hub-, Fahr- und Drehantrieb einer Fluggastbrücke aus und plant die Positionierung an der Flugzeugtür und die Höhennachführung beim Be- und Entladen.

Darum geht es

Als Ingenieurbüro möchten wir die Antriebe der Fluggastbrücke so auslegen und regeln, dass sie zügig und ohne Berührung andockt und die Kabine der Tür folgt, damit die Fahrgäste sicher und ohne Stufe ein- und aussteigen und das Flugzeug pünktlich abgefertigt wird.

Die Lage

Fluggastbrücke an Flugsteig J, Seitenansicht (Schema, nicht maßstäblich)VorfeldTerminal 3Flugsteig JRotundeTunnel, teleskopierbarKabineFlugzeugTürHub- und FahrwerkM3~-MA51HubM3~-MA52FahrenM3~-MA53Drehen der Kabine-BG51
Fluggastbrücke an Flugsteig J von Terminal 3 in Seitenansicht, als Schema, nicht maßstäblich. Vom Gebäude führt der Tunnel von der Rotunde schräg hinunter zur Kabine, die vor der Tür des Flugzeugs steht. Der Tunnel ist teleskopierbar. Unter dem äußeren Tunnelteil steht das Hub- und Fahrwerk auf dem Vorfeld: Der Motor MA51 treibt den Hub, der Motor MA52 das Fahren. Über der Kabine sitzt der Motor MA53 für das Drehen der Kabine. An der Türschwelle der Kabine meldet der Sensor BG51 die Höhe gegenüber der Flugzeugtür. Eigene Darstellung für den Unterricht.

Die Brücke hängt an der Rotunde am Gebäude und steht vorn auf einem Hub- und Fahrwerk mit zwei angetriebenen Rädern. Zum Andocken fährt sie aus der Parkstellung an das Flugzeug heran, hebt oder senkt die Kabine auf die Höhe der Tür, dreht die Kabine parallel zum Rumpf und fährt die letzten Meter im Kriechgang an. Während des Ein- und Aussteigens und beim Beladen des Frachtraums federt das Flugzeug ein und aus. Die Kabine muss folgen.

Im Bild ist nur ein Fahrmotor zu sehen. Das Fahrwerk hat zwei, MA52 und MA54, gelenkt wird über unterschiedliche Drehzahlen.

Anforderungen des Auftraggebers

Diese Werte hat der Auftraggeber genannt. Alle sind Unterrichtswerte. Was hier fehlt, klärt ihr als Rückfrage, bevor ihr das Lastenheft schreibt.

Nr. Anforderung Wert
C1 Last am Hubwerk Anteil von Tunnel und Kabine 16 t; dazu bis zu 40 Personen mit Handgepäck zu 90 kg
C2 Hubbereich Kabinenboden 2,4 m bis 5,8 m über dem Vorfeld
C3 Hubantrieb zwei Hubsäulen mit Spindel, selbsthemmend, Wirkungsgrad je Säule 0,30; Hubgeschwindigkeit bis 25 mm/s
C4 Fahrantrieb Masse auf dem Fahrwerk 16 t; zwei angetriebene Vollgummiräder, Durchmesser 0,60 m, cR = 0,015; bis 0,5 m/s, Beschleunigung 0,2 m/s²; auf den letzten 2 m Kriechgang 0,05 m/s
C5 Drehantrieb der Kabine Schwenkbereich 110°, Schwenkzeit höchstens 20 s, Massenträgheitsmoment der Kabine um die Drehachse 6.000 kg·m²
C6 Genauigkeit Halt vor der Tür auf ± 10 mm; Stufe zwischen Kabinenboden und Türschwelle höchstens 10 mm
C7 Höhennachführung das Flugzeug federt beim Be- und Entladen um bis zu 150 mm, höchstens 5 mm je Sekunde
C8 Sicherheit Annäherung an das Flugzeug nur im Kriechgang; Abstandssensoren an der Kabine; Totmannschalter am Bedienpult; Not-Halt in Kabine und Rotunde; Betrieb bis Windgeschwindigkeit 20 m/s
C9 Versorgung 3 AC 400 V 50 Hz aus dem Gebäude

Rechne selbst: hier fängst du an

Die Tabelle nennt Startpunkte, keine Lösung. Ob ihr alle braucht und was danach kommt, entscheidet ihr.

Was du suchst Womit du anfängst
Hubkraft und Hubleistung Masse aus C1, F = m · g; P = F · vη, auf zwei Säulen aufgeteilt
Fahrwiderstand F = m · g · cR + m · a; Wind auf die Brücke als Störgröße mitdenken
Moment und Drehzahl am Rad MRad = F · r; n = vπ · d
Schwenkbewegung Profil wählen (Trapez), daraus Winkelbeschleunigung α; M = J · α
Weg im Kriechgang t = sv; daraus ablesen, wie viel Zeit für die letzten 2 m bleibt
Höhennachführung als Regelkreis w, x, r, e, y und z wie auf der Karte „Größen im Regelkreis“ zuordnen; die Geschwindigkeit aus C7 mit der Hubgeschwindigkeit aus C3 vergleichen
Auflösung der Geber C6 in Spindelumdrehungen, Radumdrehungen und Geberinkremente umrechnen
Euer Lastenheft zum Ausfüllen

Aus den Anforderungen oben und den Antworten des Auftraggebers macht ihr prüfbare Anforderungen: je Zeile eine Anforderung, ein Wert oder eine Grenze, wie sie geprüft wird, und ob sie Muss oder Soll ist. Das Lastenheft gebt ihr beim Auftraggeber zur Freigabe ab.

Nr. Anforderung Wert oder Grenze So wird geprüft Muss oder Soll
L1
L2
L3
L4
L5
L6
L7
L8
L9
L10

Fertig bist du, wenn …

  • das Lastenheft vom Auftraggeber freigegeben ist,
  • Hub-, Fahr- und Drehantrieb mit Lastfällen, Moment, Drehzahl und Leistung ausgelegt und ausgewählt sind,
  • das Bewegungsprofil für das Andocken vom Parkplatz bis an die Tür beschrieben ist, mit Geschwindigkeiten und Zeiten,
  • die Positionierung beschrieben ist: welche Geber, welcher Regelkreis, wie die ± 10 mm erreicht werden,
  • die Höhennachführung als Regelkreis mit allen Größen dargestellt und das Verhalten bei schnellem Einfedern bewertet ist,
  • das Sicherheitskonzept beschreibt, was bei Not-Halt, Netzausfall, Sensorausfall und zu starkem Wind geschieht,
  • die Kosten der Antriebe abgeschätzt sind,
  • Plakat, drei Prüffragen und Wissensspeicher-Blatt für die Messe vorliegen.

Stolperfallen: Fragen, die ihr euch stellen solltet

Hier steht keine Antwort. Jede dieser Fragen gehört beantwortet in eure Dokumentation, mit Rechnung oder Begründung.

  • Mit welcher Masse rechnest du beim Heben: mit den Fahrgästen, ohne, oder beides? Und wann ist welcher Fall der ungünstigere?
  • Reicht für die Höhennachführung eine Steuerung nach Zeit, wenn die Hubgeschwindigkeit bekannt ist, oder braucht es einen Regelkreis?
  • Was geschieht, wenn der Antrieb beim Andocken etwas zu weit fährt? Wer bemerkt es, und wie schnell muss er stehen?
  • Darf die Kabine dem Flugzeug nach unten folgen, wenn dort gerade jemand aussteigt? Wie schnell ist zu schnell?
  • Was geschieht mit der Lenkung, wenn einer der beiden Fahrmotoren ausfällt?
  • Auf welchen der drei Antriebe wirkt der Wind als Störgröße, und wie stark?
Zahlen und Hintergrund

Fluggastbrücken verbinden das Gebäude mit dem Flugzeug. Sie fahren auf einem eigenen Fahrwerk über das Vorfeld, heben ihre Kabine auf Türhöhe und folgen dem Flugzeug automatisch, solange es angedockt ist. Bedient werden sie von geschultem Personal am Pult in der Kabine.

An Terminal 3 docken die Flugzeuge an den Flugsteigen H und J an Gebäudepositionen mit Fluggastbrücken an. Die Werte C1 bis C9 sind Unterrichtswerte. Daten zu einzelnen Flugzeugmustern und zu ihren Türhöhen fragt ihr beim Auftraggeber nach.

Für Lehrkräfte: Wahlphase, Sprint 6 und 7, zusammen 30 h. Lehrplan 4.3.8: „analysieren die Antriebsaufgabe des Kunden unter Berücksichtigung verschiedener Last- und Prozesssituationen“ und „planen und dimensionieren Antriebe“, dazu „steuern oder regeln Antriebssysteme“. Taxonomiestufe III (Heuristik): Der Auftrag ist offen, es gibt mehrere tragfähige Lösungen und keine Musterlösung. Prüfungsrelevant für die Technikerprüfung, Grundlage für die Projektarbeit. Schwerpunkt Positionieren, Heben mit Personen und Regelkreis. Die Story verbindet drei Antriebe; Teams mit wenig Erfahrung dürfen den Drehantrieb nur grob auslegen und sich auf Hub und Höhennachführung konzentrieren, wenn sie das im Lastenheft so festlegen. Laborvorschlag: Positionieren und Lagefolgeregelung am Servo-Lehrsystem.

Weiter: Wie ihr euren Folgeauftrag ausstellt, steht in der Lektion „Die Technikmesse“. Die Formeln vom Lastfall zum Motor stehen auf der Karte „Formeln der Antriebstechnik“.