Wahlstory Bquadratische Last⏱ 30 hSprint 6 und 7

Die Bahnsteighallen der alten Bahn liegen in Hochlage unter einem Dach. Abluftventilatoren halten die Luft frisch. Sie laufen seit 1994 mit voller Drehzahl, die Luftmenge wird mit einer Drosselklappe eingestellt. Der Flughafen fragt, ob sich ein Umrichter rechnet.

Schritt 2 von 4. Du liest die Wahlstory ganz, klärt im Team die Anforderungen mit dem Auftraggeber und schreibt das Lastenheft. Dann legt ihr aus, entscheidet und bereitet die Messe vor.

Danach: Die Technikmesse

Der wichtigste Satz auf dieser Seite: Bei einem Lüfter entscheidet die Drehzahl über die Leistung, nicht die Klappe. Wer drosselt, bremst mit dem Motor gegen sich selbst.

Der Auftrag in einem Satz

Untersucht, ob die Abluftventilatoren der beiden Bahnsteighallen mit Umrichter statt mit Drosselklappe betrieben werden sollen, und legt den Antrieb dafür aus.

Darum geht es

Als Ingenieurbüro möchten wir mit belastbaren Zahlen zeigen, was ein drehzahlveränderbarer Antrieb an den Bahnsteiglüftern spart und was er kostet, damit der Flughafen eine Entscheidung treffen kann, die sich auch in zehn Jahren noch rechnet.

Die Lage

Bahnsteighalle Station B in Hochlage mit Abluftventilator (Schema)Fahrweg in HochlageBahnsteigZuluftAbluftkanalDrosselklappeRadialventilatorAbluftM3~-MA41VentilatormotorAsynchronmotorSchützheute-QA41Hallenverteilung400 V 50 Hz
Bahnsteighalle von Station B in Hochlage, als Schema. In der Halle steht ein Zug am Bahnsteig auf dem Fahrweg. Links strömt Zuluft durch Öffnungen in der Wand ein, die Abluft steigt nach oben in einen Abluftkanal auf dem Dach. Im Kanal sitzt eine Drosselklappe, dahinter der Radialventilator, der die Abluft nach rechts ins Freie fördert. Unter dem Ventilator der Ventilatormotor MA41, ein Asynchronmotor, heute über das Schütz QA41 direkt aus der Hallenverteilung mit 400 V und 50 Hz versorgt. Eigene Darstellung für den Unterricht.

In jeder der beiden Bahnsteighallen laufen zwei gleiche Abluftventilatoren, zusammen vier. Gesteuert wird heute nur über die Drosselklappe: tagsüber halb geschlossen, nachts weiter geschlossen, an heißen Sommertagen ganz offen. Der Motor läuft dabei immer mit voller Drehzahl.

Zu prüfen ist, wie viel elektrische Leistung der Ventilator mit Umrichter in jedem Betriebspunkt noch braucht, was das im Jahr spart, ob der vorhandene Motor bleiben kann und was der Umrichter für das Netz der Halle bedeutet. Als Erweiterung könnt ihr dieselbe Frage für die Verdampferlüfter der 18 Wagenklimageräte stellen, die ihr aus Lernangebot 2 kennt.

Anforderungen des Auftraggebers

Diese Werte hat der Auftraggeber genannt. Alle sind Unterrichtswerte. Was hier fehlt, klärt ihr als Rückfrage, bevor ihr das Lastenheft schreibt.

Nr. Anforderung Wert
B1 Ventilatoren 4 Radialventilatoren, je 2 in den Bahnsteighallen von Station A und Station B
B2 Nennbetriebspunkt je Ventilator 36.000 m³/h bei 1.200 Pa Druckerhöhung, Drehzahl bei 50 Hz
B3 Ventilatorwirkungsgrad 0,78 im Nennbetriebspunkt
B4 Motor heute Asynchronmotor 18,5 kW, 400 V, 50 Hz, 4-polig, Wirkungsgrad 89,5 % (entspricht etwa IE1), Baujahr 1994
B5 Elektrische Leistung mit Drosselklappe (gemessen) 17,2 kW bei 100 % Luftmenge; 14,6 kW bei 70 %; 12,4 kW bei 50 %
B6 Betriebsprofil je Ventilator und Jahr 360 h mit 100 %, 6.200 h mit 70 %, 2.200 h mit 50 % Luftmenge
B7 Strompreis 0,20 €/kWh
B8 Kosten Umrichter 18,5 kW mit Einbau 4.800 € je Ventilator; neuer Motor IE4 18,5 kW 2.900 €
B9 Netz Hallenverteilung 3 AC 400 V 50 Hz aus einem Transformator 630 kVA, an dem auch Beleuchtung und Bahnsteigtüren hängen

Rechne selbst: hier fängst du an

Die Tabelle nennt Startpunkte, keine Lösung. Ob ihr alle braucht und was danach kommt, entscheidet ihr.

Was du suchst Womit du anfängst
Förderleistung im Nennpunkt PLuft = V̇ · Δp, mit V̇ in m³/s
Leistung an der Welle PW = PLuftηV
Drehzahl für eine kleinere Luftmenge Affinitätsgesetz: V̇2V̇1 = n2n1
Leistung bei kleinerer Drehzahl Affinitätsgesetz: P2P1 = (n2n1)³; Wirkungsgrade von Motor und Umrichter danach berücksichtigen
Energie im Jahr W = Σ Pk · tk über die drei Betriebspunkte aus B6, mit Klappe und mit Umrichter
Wirtschaftlichkeit Einsparung in € je Jahr aus der Energiedifferenz und B7; statische Amortisation = InvestitionEinsparung je Jahr
Frequenz am Umrichter Drehzahlverhältnis gleich Frequenzverhältnis, solange der Motor kaum belastet ist; prüfen, wie genau das stimmt
Netzrückwirkung Eingangsstrom des Umrichters abschätzen und mit dem Bemessungsstrom des Transformators vergleichen
Euer Lastenheft zum Ausfüllen

Aus den Anforderungen oben und den Antworten des Auftraggebers macht ihr prüfbare Anforderungen: je Zeile eine Anforderung, ein Wert oder eine Grenze, wie sie geprüft wird, und ob sie Muss oder Soll ist. Das Lastenheft gebt ihr beim Auftraggeber zur Freigabe ab.

Nr. Anforderung Wert oder Grenze So wird geprüft Muss oder Soll
L1
L2
L3
L4
L5
L6
L7
L8
L9
L10

Fertig bist du, wenn …

  • das Lastenheft vom Auftraggeber freigegeben ist,
  • die Kennlinie des Ventilators und die Anlagenkennlinie skizziert und die Betriebspunkte mit Klappe und mit Umrichter eingetragen sind,
  • die elektrische Leistung in allen drei Betriebspunkten für beide Varianten gerechnet ist,
  • die Energie- und Kosteneinsparung im Jahr und die Amortisation für alle vier Ventilatoren vorliegen,
  • entschieden und begründet ist, ob der vorhandene Motor bleibt oder ein Motor IE4 kommt,
  • Umrichter, Steuerverfahren und Einstellungen (Frequenzbereich, Rampen, Kennlinie) festgelegt sind,
  • die Netzrückwirkung bewertet und eine Maßnahme vorgeschlagen ist, falls nötig,
  • Plakat, drei Prüffragen und Wissensspeicher-Blatt für die Messe vorliegen.

Stolperfallen: Fragen, die ihr euch stellen solltet

Hier steht keine Antwort. Jede dieser Fragen gehört beantwortet in eure Dokumentation, mit Rechnung oder Begründung.

  • Gilt das Kubikgesetz auch dann, wenn die Anlage einen festen Druckanteil hat, etwa durch Filter oder Wind auf der Abluftöffnung?
  • Weshalb sinkt die Leistung mit Drosselklappe so viel weniger als mit Umrichter, obwohl dieselbe Luftmenge gefördert wird?
  • Bleibt der Wirkungsgrad des Motors bei halber Drehzahl und kleiner Last gleich, und wie wirkt sich das auf deine Einsparung aus?
  • Darf ein Motor von 1994 ohne Prüfung an einem Umrichter laufen? Woran denkst du bei Isolation und Lagern?
  • Welche Effizienzklasse verlangt die Ökodesign-Verordnung heute für einen neuen Motor dieser Größe, und gilt sie auch, wenn er am Umrichter läuft?
  • Was ändert sich am Transformator, wenn vier Umrichter mit Diodengleichrichter gleichzeitig am Netz hängen?
Zahlen und Hintergrund

Radialventilatoren in Lüftungsanlagen sind die klassische quadratische Last: Das Moment steigt mit dem Quadrat der Drehzahl, die Leistung mit der dritten Potenz. Drosselklappen sind billig und einfach, verschenken aber den größten Teil der möglichen Einsparung.

Die Werte B1 bis B9 sind Unterrichtswerte. Die Leistungen mit Drosselklappe in B5 hat die Elektrowerkstatt gemessen. Die Kennlinie des Ventilators bekommt ihr auf Nachfrage beim Auftraggeber; ohne sie arbeitet ihr mit den Affinitätsgesetzen und nennt die Annahme.

Für Lehrkräfte: Wahlphase, Sprint 6 und 7, zusammen 30 h. Lehrplan 4.3.8: „analysieren die Antriebsaufgabe des Kunden unter Berücksichtigung verschiedener Last- und Prozesssituationen“ und „planen und dimensionieren Antriebe“, dazu „steuern oder regeln Antriebssysteme“. Taxonomiestufe III (Heuristik): Der Auftrag ist offen, es gibt mehrere tragfähige Lösungen und keine Musterlösung. Prüfungsrelevant für die Technikerprüfung, Grundlage für die Projektarbeit. Schwerpunkt quadratische Last, Energie und Wirtschaftlichkeit, dazu IE-Klassen und Netzrückwirkung. Die Ventilatorkennlinie bei Nachfrage als Skizze ausgeben. Wichtig ist, dass die Teams ihre Annahmen (Kubikgesetz, Teillastwirkungsgrade) benennen. Laborvorschlag: Lüfter oder Bremsmaschine mit quadratischer Lastkennlinie am Umrichter, Leistung bei 50, 40 und 30 Hz messen.

Weiter: Wie ihr euren Folgeauftrag ausstellt, steht in der Lektion „Die Technikmesse“. Die Formeln vom Lastfall zum Motor stehen auf der Karte „Formeln der Antriebstechnik“.